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Finanzkompetenz2021-11-24T12:08:08+01:00

FINANCIAL LITERACY

Finanzkompetente Jugendliche

Studie zum Lehrlingslohn zeigt den Umgang mit Geld und die Finanzkompetenz von Jugendlichen

Eine Studie im Auftrag des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken hat das Verhältnis von Jugendlichen und ihrem Lehrlingslohn untersucht. Sie zeigt: Jugendliche gehen sehr verantwortungsbewusst mit Ihren Finanzen um. Sie handeln nicht nur mehrheitlich vernünftig, sondern verfügen auch über altersgerechte Finanzkompetenz. Eine durchaus positive Bilanz, die das Klischee von konsumwütigen jugendlichen Internet-Shoppern in Frage stellt. Eine Zusammenfassung der Studie für Jugendliche ist im Primus Oberstufe Magazin erschienen.

Ganze Studie


HINTERGRUNDWISSEN

Fakten und Studien

Eltern spielen laut der PISA-Studie 2018 eine zentrale Rolle bei der Finanzkompetenz.

Laut der internationalen Befragung (an der die Schweiz nicht teilgenommen hat) waren Eltern, Erziehungsberechtigte und andere Beziehungen zu Erwachsenen die häufigste Informationsquelle der 15-Jährigen Schülerinnen und Schüler über Geldangelegenheiten: 94% der Befragten gaben an, solche Informationen von ihren Eltern zu erhalten. Schülerinnen und Schüler, die ihre Eltern als Informationsquelle über Geldangelegenheiten nutzen, schnitten im Durchschnitt um 27 Punkte besser ab als Schülerinnen und Schüler, die dies nicht tun. Zur Studie

Fast jede fünfte Person lebt in einem Haushalt mit Zahlungsrückstand

Das Bundesamt für Statistik hebt in seiner Medienmitteilung vom 18. Februar 2020 hervor, dass 18,9% der Bevölkerung in der Schweiz in einem Haushalt mit mindestens einem Zahlungsrückstand leben. Am häufigsten ausstehend waren Steuerrechnungen und Krankenkassenprämien.
Zu den am stärksten von Verschuldung betroffenen Haushalten mit mindestens drei Verschuldungsarten zählen Familien mit drei oder mehr Kindern (17,1%). Die Chance, dass Kinder und Jugendliche in ihrem Haushalt mit Verschuldung in Kontakt kommen ist demnach relativ hoch.
Hauptergebnisse «Verschuldung», Bundesamt für Statistik

JAMESfocus 2019: Jugendliche und digitale Medien im Unterricht

Schweizer Lehrkräfte erleben die Digitalisierung mehrheitlich als Chance, wie der aktuelle JAMESfocus-Bericht zeigt. Die Vielseitigkeit digitaler Medien und die Förderung der Medienkompetenz sehen sie als grössten Vorteil. Unterstützung wünschen sie sich in technischen Belangen sowie bei didaktischen Fragen.


NETZWERK

Mehr Wissen über Finanzkompetenz

Elternratgeber für Geldfragen

Website

Die Plattform jugendbudget.ch thematisiert Fragestellungen rund um das Thema Kinder und Geld. Sie bietet Eltern Ideen, Anregungen und Hilfestellungen, wie sie Geldthemen mit ihren Kindern besprechen können.

Zugang, Umsetzung und Nutzen des Jugendlohns

Studie

Fachleute empfehlen Eltern, ihren Kindern einen monatlichen Lohn auszuzahlen und mehr finanzielle Verantwortung zu übertragen. Im Auftrag des Vereins Jugendlohn untersuchte die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit zusammen mit der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW den Jugendlohn im Hinblick auf den Zugang, die Umsetzung und den Nutzen für Jugendliche und Familien. Die Studie zieht ein positives Fazit: Die meisten Eltern machen die Erfahrung, dass ihre Kinder dank des Jugendlohns lernen, besser mit Geld umzugehen.
Zur Studie

Der Nutzen von Lerngames

Studie

Prof. Dr. Carmela Aprea von der Friedrich Schiller Universität in Jena hat in ihrer neuen Studie das Kaufverhalten junger Menschen analysiert und den Nutzen des Lerngames FinanceMission wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse hat sie in einem Artikel zusammengefasst. Artikel zur Studie

«Der Nutzen eines digitalen Lerngames hängt ab von der inhaltlichen Spielqualität und vom Transfer in den Alltag der Jugendlichen anhand didaktischer Unterrichtsunterlagen. (…) Das Lernangebot FinanceMission erfüllt diese Anforderung in hohem Masse. (…) Es eröffnet zahlreiche Anknüpfungspunkte für die fachdidaktische Einbettung und die wirksame Förderung der Finanzkompetenz.»

Culture and Financial Literacy

Studie

Die neue Studie der Universitäten St. Gallen und Freiburg zeigt deutliche Unterschiede im Finanzwissen von Jugendlichen aufgrund ihrer kulturellen Herkunft auf. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass der kulturelle Hintergrund einen beachtlichen Einfluss auf die Aneignung von Finanzwissen haben kann. Bei der Planung und Umsetzung von «Financial Literacy»-Programmen sollten diese Unterschiede berücksichtigt werden. Artikel zur Studie / Zur Studie

iconomix

Webbasiertes Lehrangebot zu Financial Literacy

Die Webplattform iconomix bietet ein kostenloses Ökonomielehrangebot, bestehend aus über 40 thematischen Lehrmitteln mit gestuften Verständnis- und Vertiefungsfragen und Musterlösungen. Zu jedem Lehrmittel gibt es weiterführende Hinweise auf Websites, Videos, Grafiken, Artikel und Bücher. Das Angebot richtet sich an Lehrpersonen der Sekundarstufe II (Mittel- und Berufsfachschulen).

Financial Literacy: Was wissen wir über Geld?

Animationsvideo

Wie steht es um unser Finanzverständnis? Und was heisst es, vernünftig mit Geld umzugehen? Prof. Dr. Martin Brown, Bankenexperte der Universität St.Gallen, forscht zum Thema Financial Literacy. Zu seiner Forschung ist ein Film der Animationsvideoserie «Little Green Bags» entstanden. Zum Video

Heute kaufen, morgen zahlen – Jugendliche und das liebe Geld

Artikel

«Überschuldung resultiert einerseits daraus, dass viele Konsumenten ungenügendes Wissen über Kreditprodukte haben. Der (…) Konsumentenschutz sowie die finanzielle Grundbildung helfen dabei. Andererseits ist es so, dass einige Konsumenten den heutigen Konsum zulasten der Zukunft bewusst überspannen. (…) Es ist deshalb wichtig, dass innovative Projekte der finanziellen Bildung gefördert werden, die für alle Jugendlichen zugänglich und interessant sind.» Interview mit Prof. Dr. Martin Brown (Tresor 3/2016)

Verein FinanceMission

Grundlagen von FinanceMission

Beat W. Zemp, Präsident Verein FinanceMission, Hanspeter Hess, Vizepräsident, sowie Jeremy Spillmann und Moritz Zumbühl von Blindflug über Hintergründe, Motivationen und Herausforderungen, ein Lernspiel zur Finanzkompetenz zu erstellen.

Ein Gespräch mit dem abtretenden Präsidenten des Vereins FinanceMission, Beat W. Zemp

«Die Schule kann zu mehr Chancengerechtigkeit beitragen»


Als FinanceMission im Jahr 2016 gegründet wurde, stand die Verschuldungsproblematik im Vordergrund. Laut einer Studie des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken gehen heute die meisten Lehrlinge verantwortungsvoll mit ihren Finanzen um. Braucht es den Verein überhaupt noch?

Den Verein braucht es unbedingt noch! Der Verein FinanceMission möchte mit seinen Lernangeboten in erster Linie einen Beitrag zur Verbesserung des Finanzwissens von Jugendlichen leisten. Gleich mehrere Studien und Untersuchungen in den letzten Jahren haben eindrücklich aufgezeigt, dass es bei der Finanzkompetenz von Jugendlichen und jungen Erwachsenen leider immer noch hapert. Viele können einfachste Fragen zum Thema Geld nicht beantworten. In den neuen Lehrplänen für die Sekundarstufe 1 ist das Thema daher zum Pflichtstoff avanciert. Darum engagieren sich sowohl die Lehrerdachverbände LCH und SER als auch die Kantonalbanken für unterrichtsergänzende und unentgeltliche Lernangebote zur Verbesserung der Finanzkompetenz und hoffen, damit auch einen Beitrag gegen die Verschuldungsproblematik zu leisten. Solange junge Erwachsene zu Hause bei den Eltern wohnen, haben sie ihre Finanzen zwar im Griff. Die Feuerprobe kommt aber erst, wenn sie einen eigenen Haushalt gründen und dann mit Versicherungsprämien, Vorsorgebeiträgen, Konsumkrediten oder Steuern umgehen müssen. Dazu braucht es unter anderem Budgetkompetenzen, wie diese beispielweise im Lehrplan21 ausführlich beschrieben sind. FinanceMission möchte solche und andere «trockene» Finanzthemen auf spielerische und altersgerechte Art vermitteln. Solche innovativen und digital verfügbaren Lernangebote für Schulen müssen laufend weiter entwickelt werden. Daher braucht es den Verein auch noch in Zukunft.

Zwischen der Deutsch- und der Westschweiz sowie zwischen Mädchen und Jungen gibt es beträchtliche Unterschiede, was die Finanzkompetenz betrifft. Das familiäre Umfeld scheint eine zentrale Rolle zu spielen. Kann die Schule solche Unterschiede überhaupt noch ausgleichen und die Chancengleichheit sicherstellen?

Es war schon immer ein wichtiges Ziel der Volksschule, einen Beitrag zum Ausgleich der Chancenungleichheiten zu leisten. Auch wenn eine völlige Chancengleichheit eine Utopie bleiben wird, so kann die Schule dennoch zu mehr Chancengerechtigkeit beitragen. In vielen Familien ist der verantwortungsvolle Umgang mit Geld leider kein Thema. Daher ist es richtig, dass die Schule bei diesem gesellschaftlich wichtigen Thema möglichst alle Mädchen und Jungen dazu bringt, sich grundlegende Finanzkompetenzen im Unterricht anzueignen. Dazu müssen aber Lernangebote vorhanden sein, die beide Geschlechter und Jugendliche aus allen familiären Milieus und Kulturen anspricht. Die Einbettung unterschiedlichster Finanzthemen in eine spielerische Welt, wie sie der Verein mit «FinanceMission World» schaffen wird, bietet am besten Gewähr dafür, dass im Unterricht nicht direkt auf das familiäre Umfeld Bezug genommen werden muss, was sehr heikel wäre. In der Welt von «FinanceMission World» können Jugendliche unabhängig von ihrem konkreten familiären Umfeld Erfahrungen machen und ihr Finanzwissen aufbauen.

An welches Erlebnis in Zusammenhang mit FinanceMission werden Sie sich auch noch in 10 Jahren positiv erinnern?

Unvergessen bleibt für mich die nationale Medienkonferenz im Mai 2016 in Basel, als ich zusammen mit dem damaligen EDK-Präsidenten und Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann sowie dem damaligen CEO der Basler Kantonalbank, Guy Lachappelle, unsere Initiative der Öffentlichkeit vorstellen durfte. Seither haben wir ein gutes Dutzend kantonale Kickoffs durchgeführt. In unzähligen Begegnungen mit Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern, Eltern und Politiker*innen konnte ich Rückmeldungen entgegen nehmen, die uns zum Weitermachen ermuntert haben. Ich darf an dieser Stelle auch Hanspeter Hess, Direktor des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken, und allen CEO’s der Kantonalbanken für die grosszügige finanzielle Unterstützung danken, die wir in den letzten vier Jahren erhalten haben. Meinem Nachfolger Samuel Zingg, Vizepräsident des LCH, wünsche ich viel Freude und Erfolg bei dieser spannenden Aufgabe.

Wofür werden Sie nun Ihre Finanzkompetenz und Energie zur Verfügung stellen?

Das Thema Finanzkompetenz wird mich weiterhin begleiten. Als Präsident des Trägervereins einer neutralen Ombudsstelle für Finanzdienstleister und deren Kund*innen werde ich mich weiterhin mit spannenden Finanzthemen auseinandersetzen und natürlich die Aktivitäten des Vereins FinanceMission mit Freude weiter verfolgen.

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